Der Cairo Jazz Club
von Petra Post
Nein, ich bin kein ausgesprochener Jazzfan, wie zwei Restaurantbesprechungen zu diesem Thema in Folge vielleicht suggerieren könnten. Aber ich mag interessante Orte mit einer besonderen Note. Vom Cairo Jazz Club hatte ich schon viel gehört; nur hatte es mich bisher etwas abgeschreckt, dass Live-Veranstaltungen erst gegen zehn anfangen und der Club wohl eher etwas für Nachtschwärmer zu sein schien. Trotzdem stand er schon seit längerem auf meiner Liste von Örtlichkeiten in Kairo, die ich gern einmal erkunden wollte. Als mir im Dezember letzten Jahres eine Einladung anlässlich der Präsentation der neuen Speisekarte des Clubs, einschließlich Weinprobe, ins Haus flatterte, schien der Zeitpunkt gekommen, diesem Etablissement endlich einen Besuch abzustatten.
Da wir Hunger hatten, standen wir schon gegen acht Uhr vor der Tür. Gedämpftes Licht umfing uns. Im Club herrschte noch gähnende Leere, aber das störte uns nicht weiter. Schließlich konnten wir uns so den schönsten der mit bequemen Sesseln versehenen Tische aussuchen und mit Muße umsehen. Kaum etwas finde ich ungemütlicher, als sich - in Ermangelung von Sitzgelegenheiten - an einer Theke stundenlang die Beine in den Bauch zu stehen. Auch die Tatsache, dass noch keine Band spielte, kam uns gelegen. So konnten wir den Abend mit einer netten Unterhaltung beginnen. Die Getränkebestellung stellte kein Problem dar. Der Service war vielleicht etwas gemächlich, aber schließlich muss so ein (Nacht)club ja erst in Schwung kommen! Die Essensbestellung gestaltete sich schon schwieriger. Nein, die neue Speisekarte gebe es noch nicht, erklärte man uns. Staunen. Gut, was hätten sie denn dann zu bieten? Vielleicht etwas von der alten? Der Kellner eilte davon, um sich zu erkundigen. Leider schienen seine Kollegen auch nicht besser Bescheid zu wissen. Inzwischen waren unsere Gläser leer. Da von einer Weinprobe weit und breit nichts zu sehen war, baten wir den Kellner um ein zweites Glas - laut Werbung ist im Cairo Jazz Club zwischen 16 und 21 Uhr "Happy hour": Man bestellt zwei Getränke nach Wahl und erhält eins gratis. Um später unangenehme Überraschungen zu vermeiden, sprach ich ihn auf dieses Angebot an: Er wusste nichts davon... Aber stattdessen nannte er uns jetzt ein paar Vorspeisen, die uns die Küche zubereiten könne. Wir gaben uns geschlagen. Immerhin etwas!
In der Zwischenzeit hatte der Raum sich etwas gefüllt. Das Publikum schien in der Mehrzahl aus Europäern zu bestehen. In einer Ecke begannen Musiker, ihre Instrumente zu stimmen. Allmählich kam Leben in den Club. Auch die Verantwortlichen waren offenbar aufgewacht (nein, das ist unfair, wir waren wohl einfach nur zu früh gekommen...): Ein freundlicher Herr, dem man seine Schweizer Herkunft erst zu fortgeschrittener Stunde und nach reichlichem Alkoholgenuss anmerkte, bot auf einem Tablett die verschiedenen Sorten Obelisk mit neuen, kunstvoll gestalteten Etiketten an: also doch eine Weinprobe?! Und ein anderer freundlicher Herr, einer der Manager des Clubs, wie sich nachher herausstellte, verteilte die neue Speisekarte just in dem Moment, in dem endlich unsere Vorspeisen (Minipizzas, Frühlingsrollen und gefüllte Pilze) eintrafen. Perfektes Timing... Die Speisekarte war tatsächlich voller Leckereien, so dass uns schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlief. Der nette Manager riet uns, doch einfach die ganze Karte durchzuprobieren. Selbstverständlich kostenlos! Eine großzügige Geste, von der wir gern Gebrauch gemacht hätten, wenn unsere Mägen mitgespielt hätten. So bestellten wir nur noch eine Broccolicremesuppe mit Hühnerfleisch, einen Kiwi-Erdbeer-Salat mit Roquefort-Dressing und gebackenen Halloumi-Käse mit Zitronen-Oregano-Sauce. Schweren Herzens verzichteten wir auf Desserts wie Schokoladentorte und gebackene Bananen.
Zu diesem trotz allem gelungenen Abend trug nicht nur die großzügige Verköstigung mit Wein und Speisen bei - Weinliebhaber kamen voll und ganz auf ihre Kosten -, sondern auch das MusikerInnen-Trio mit Kontrabass, Geige und Gitarre, das uns mit traditionellen Jazzmelodien unterhielt. Ein kleines Hindernis gab es ganz zum Schluss jedoch noch zu bewältigen: Als wir uns dem Ausgang näherten, kam unser Kellner auf uns zu geeilt und präsentierte uns die Rechnung. Hatten wir doch etwas falsch verstanden? Der herbeigerufene Manager klärte die Situation rasch und souverän: Wir waren an diesem Abend wirklich Gäste des Hauses gewesen! In Zukunft müsste nur noch das Personal über solche Angebote informiert werden...
Für unseren zweiten Besuch wählten wir einen Abend ohne Live-Musik. Wir wollten uns in Ruhe in netter Atmosphäre unterhalten. Auch dafür eignet sich der Jazzclub gut. Diesmal hatten wir auch mehr Muße, die Speise- und Getränkekarte zu studieren - schließlich ging es ja auch um unser eigenes Portemonnaie ... Auffällig war die große Auswahl an originellen Fisch- und vegetarischen Gerichten, aber auch an Cocktails, mit Alkohol (25 LE) und ohne (15 LE). Wir entschieden uns für Käse-Sesam-Bällchen (12 LE), Gemüselasagne (16 LE), und wieder eine der leckeren Suppen, diesmal Mozzarella-Zwiebelcremesuppe für 10 LE. Ein weiteres Mal waren wir angenehm überrascht von der Qualität der Speisen. Das Gedeck (3 LE pro Person) bezahlten wir gern, bestand es doch aus einem Korb mit verschiedenen Sorten warmen Brots sowie Schälchen mit Tahine und Kräuterbutter. Die dezente musikalische Untermalung steuerte diesmal "Manu Chao" bei.
Wir wünschen dem Jazzclub sowie Ammar El Dejani, Akram El Sherif und Alexander Rizk, die ihn seit eineinhalb Jahren leiten und in Kürze noch erweitern wollen, weiterhin viel Erfolg und beglückwünschen sie zu ihrem gelungenen Konzept!
Anmerkung: Der Cairo Jazz Club befindet sich in der 26. Juli-Straße 197, gleich hinter der Brücke in Agouza. Er ist täglich ab 16 Uhr geöffnet. Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen finden Sie u.a. in der donnerstags erscheinenden "Al Ahram Weekly" oder unter: www.cairojazzclub.com