von Petra Post
Der Ramadan, ein Monat, der von einem verlangsamten Rhythmus tagsüber geprägt ist, lädt des Nachts zu Geselligkeit und regem Treiben ein. Unter den zahlreichen Veranstaltungen anlässlich des Fastenmonats entschieden wir uns für das im Beit el Harrawi stattfindende Musikfestival. Wir wollten uns "El Tanbura", eine Truppe aus Port Said, ansehen und -hören.
Die Vorstellung sollte um 21 Uhr beginnen, aber bereits eine Stunde zuvor drängelte sich alles vor dem verschlossenen Tor. Es versprach, voll zu werden! Die Wartezeit wurde uns verkürzt durch den Handzettel mit Informationen zur Truppe und ihrer Musik. Wir erfuhren, dass Port Said, am Zugang zum Sueskanal gelegen, Einflüsse der verschiedenen Mittelmeervölker sowie der am Roten Meer lebenden Menschen in sich vereint, und sich auf Grund der Vielfalt der Kulturen eine spezifische Musiktradition herausbilden konnte. Sufiriten, religiöse Gesänge, die Volksweisen der Völker entlang der Südküste des Mittelmeers - sie alle tragen zur Einzigartigkeit dieser Musik bei. Hauptinstrument ist die simsimiyya, eine kleine Leier.
"El Tanbura" wurde 1989 von Zakaria Ibrahim in Port Said gegründet und besteht aus insgesamt 20 Musikern, die altersmäßig von 25 bis 75 Jahren rangieren und alle sowohl Sänger als auch Tänzer und Musiker sind. Ihre Instrumente umfassen die bereits oben erwähnte simsimiyya,, tanbura (große Leier), nay, (arabische Flöte), tabla, (arabische Trommel), Triangel, sagat (kleine Zimbal), shakhalil (Kastagnettenart), riq, (Tamburinart). Die Truppe versteht sich als Bewahrerin des kulturellen Erbes der Region und ist bereits bei Folklorefestivals in Frankreich, Schweden, Kanada, Großbritannien und Burkina Faso aufgetreten.
Nun aber zu ihrem Auftritt in Kairo, im Beit el Harrawi: Als Punkt neun sich das Tor öffnete, gab es ein großes Geschiebe und Gedränge; wir hatten jedoch Glück und konnten einen der hart umkämpften Sitzplätze ergattern. Der Innenhof dieses restaurierten ehemaligen Bürgerhauses aus dem 18. Jahrhundert ist eigentlich für Veranstaltungen dieser Art zu klein, hat er doch nur Platz für ein paar Stuhl- bzw. Bankreihen und eine improvisierte Bühne. Aber das tat der Begeisterung der Zuschauer und -hörer keinen Abbruch. Vom ersten Lied an wurde mitgeklatscht, gesungen und getanzt. Die Atmosphäre griff auch auf die wenigen nicht ägyptischen Gäste über. Fasziniert beobachteten wir, wie selbst junge Leute auf die "Bühne" stürmten und mit den älteren Semestern der Truppe tanzten und sangen. Undenkbar in Deutschland, wo Volksweisen Teenagern bestenfalls ein müdes Lächeln entlocken! Von Darbietung zu Darbietung steigerte sich die Stimmung - und Lautstärke - , bis ich nach etwa zwei Stunden davon überzeugt war, das Trommelfell würde mir gleich platzen. Unsere europäischen Wurzeln sind eben nicht zu leugnen ;-)
Was ist ein musikalischer Ramadangenuss ohne einen anschließenden Tee mit Minze und eine Schischa? Auf zum Khan el Khalili! Doch wir schafften es kaum, uns durch das dort herrschende Getümmel zu kämpfen, geschweige denn einen Sitzplatz und eine Erfrischung zu erstehen. Nach einer Stunde gaben wir entmutigt auf und fuhren zurück zu unserem erholsam ruhigen Heim, wo wir uns noch ein Glas Wein gönnten und den zurückliegenden Abend Revue passieren ließen. Nächstes Jahr werden wir inscha´allah trotzdem wieder dabei sein!
Anmerkung: Hinweise auf Veranstaltungen - nicht nur während des Ramadans - finden Sie u.a. in der donnerstags erscheinenden Wochenzeitung "Al Ahram Weekly".