Eine Kairoer Klinik kämpft um das Leben kranker Kinder
von Manuela Gutberlet
Kairo. "Ich weiß, dass ich Leukämie habe", sagt Dina mit einem Lächeln im Gesicht. Und dies, obwohl sie ihr Haar durch Chemotherapie verloren hat. "Ich habe keine Schmerzen", ergänzt sie. Heute hat ihre Mutter sie zum wöchentlichen Check-up in die Kinderabteilung des Nationalen Krebsinstituts in Kairo gebracht. Mit 90 Betten ist es die größte Kinderabteilung des Landes. Zudem werden hier täglich etwa 150 Kinder ambulant behandelt. Sie kommen nicht nur aus Ägypten, sondern auch aus den palästinensischen Gebieten, dem Sudan und dem Jemen.
"Ich wurde ohnmächtig. Ich hatte das Gefühl, dass unsere Familie zerstört ist", beschreibt Dinas Mutter ihre Gefühle, als sie von der Krankheit ihrer Tochter erfuhr. Seitdem wird Dina mit einer Chemotherapie behandelt. "Gott sei Dank, heute geht es meiner Tochter besser", sagt sie.
"Die Zahl der krebskranken Kinder steigt in Ägypten unaufhörlich", sagt Dr. Emad Ebeid, Kinderarzt am Institut. Nach seinen Angaben gab es im vergangenen Jahr rund 800 neue Kinderkrebsfälle. Derzeit leiden gut sechs Prozent der ägyptischen Kinder an dieser schweren Krankheit. "Im Vergleich dazu sind es in den USA nur ein Prozent", erklärt Louis Crooks, Mitglied der Nichtregierungsorganisation "Freunde des Nationalen Krebsinstituts" (AFNCI). "Und im Westen überleben 75-80 Prozent der krebskranken Kinder, verglichen mit 40 Prozent in Ägypten. Krebs tötet Kinder häufiger als irgendeine andere Krankheit", fügt Louis Crooks hinzu.
Ola ist vier, sie hat Leukämie. Vor fünfzehn Monaten entdeckte ihre Mutter geschwollene Lymphknoten an Olas Nacken. Ein Bluttest deckte die Krankheit auf. Die am häufigsten verbreiteten Krebsarten sind Leukämie und Lymphdrüsenkrebs. Obwohl die Chemotherapie viel Geld kostet, ist die Behandlung umsonst, für jeden - egal, ob reich oder arm. Doch wie lange kann sich die Klinik das noch leisten? Denn in dem schmalen Klinikkorridor drängen sich Tag für Tag viele kranke Kinder und ihre Eltern. Außerdem fehlt es an Ärzten und an Geld. Das Budget des Nationalen Krebsinstituts deckt nur 20 - 25 Prozent der laufenden Kosten. Die Folge dieser Mängel: "Viele Kinder müssen sterben", räumt Dr. Ebeid ein.
Der 9-jährige Badr ist sehr von seiner Krankheit gezeichnet. Er ist abgemagert. Am ganzen Körper hat er Entzündungen, die verbunden sind. Seine Blicke sind hilflos und verzweifelt. "Es macht mich traurig, die Kinder in einem solchen Zustand zu sehen", sagt Dr. Ebeid. Dennoch, es gibt Hoffnung: Die Lebenserwartung krebskranker Kinder ist höher als die krebskranker Erwachsener, weil ihr Immunsystem stärker ist. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums denkt, dass es zehn Jahre dauern wird, bis alle Krebsfälle diagnostiziert und registriert sind. "Schneller wird es nicht gehen, weil finanzielle Mittel und qualifizierte Mitarbeiter fehlen", sagt er. Zurzeit existieren nur sieben Gesundheitsämter in ganz Ägypten, die sich mit der Registrierung von Krebsfällen beschäftigen. Trotz all dieser Schwierigkeiten haben die "Freunde des Nationalen Krebsinstituts" große Pläne: Sie wollen in Kairo die erste private Kinderkrebsklinik des Nahen Ostens bauen und nach US-amerikanischem Vorbild ausstatten. Der Sockel des Gebäudes steht bereits - im kommenden Jahr (2003) soll die Klinik eröffnet werden.