Gartenumgestaltung - ägyptisch

von Ursula Frank

Hufeisenförmig um unser Haus in Kairo erstreckt sich ein kleiner Garten. Diese grüne Oase hatte uns schon bei der ersten Besichtigung gefallen und uns letztendlich auch dazu veranlasst, dieses Objekt zu mieten. Nur verwunderte uns am Anfang, dass rund um das Eckgrundstück zwei Hecken im Abstand von ungefähr zwei Metern standen. Als wir unsere Vermieterin dahingehend befragten, erzählte sie uns die Entstehungsgeschichte. Die eigentliche Grundstücksgrenze stellte die innere Hecke dar. Danach kam ein ungefähr zwei Meter breiter Gehweg ohne festen Belag. Während der letzten Jahren kamen einige findige Nachbarn auf die Idee, ihren Garten zu vergrößern. Sie gliederten einfach den Gehsteig ihrem Grundstück an und hatten auf diese Weise Platz gewonnen. Ein Gehweg war ihrer Meinung nach aufgrund der Breite der Straße sowieso nicht nötig! Da wollte unsere Hausbesitzerin natürlich nicht nachstehen. Kurzer Hand wurde eine zweite Hecke am äußeren Rand des ehemaligen Gehsteigs gepflanzt. Die innere Hecke blieb jedoch stehen. Man kann ja nie wissen, ob nicht eines Tages die Polizei anrückt, peinliche Fragen stellt und die Rückversetzung in den Urzustand verlangt! Die innere Hecke war jedoch im Laufe der Jahre gealtert und an mehreren Stellen, vor allem um den inzwischen stattlichen Mangobaum, abgestorben, ausgedünnt und in sich zusammengefallen. Sie war so niedrig geworden, dass während der letzten Sommerferien Kinder über die Hecke in den Garten eindrangen, die Mangos ernteten - sehr zum Leidwesen unseres Gärtners Khaled, der sie jedes Jahr wie seinen Augapfel hütet- und sogar aus der Garage einige Sachen mitgehen ließen. Nach Beratschlagung mit unserer Vermieterin beschlossen wir aus Sicherheitsgründen die alte innere Hecke zu entfernen. Der Gärtner wurde mit der Organisation des Ablaufs beauftragt.

Nach zwei Tagen rückten zwei Arbeiter mit Buschmessern an, die sofort Hand an die zu entfernende Hecke anlegten. Stücke von zirka zwei Meter Breite wurden mit den Messern abgetrennt, zwischen den Zweigen befanden sich noch die Reste des alten Maschendrahtes. Die Ligusterpflanzen wurden einfach knapp über dem Boden abgeschnitten, Stammansätze und Wurzeln blieben im Erdreich (Hoffentlich sprießt da nicht nach einiger Zeit eine neue Hecke!). Inzwischen war auch ein Pick-Up am Ort des Geschehens eingetroffen. Die Heckenstücke wurden aufgeladen und abtransportiert. Innerhalb kurzer Zeit war der ganze Spuk vorbei und die gesamte alte Hecke verschwunden.

Ein Rest Maschendraht befand sich noch in der Garage. Der wurde nun an der verbliebenen äußeren Hecke angebracht, aber nicht etwa an Zaunpfählen befestigt und mit Draht gespannt, wie man das von einem guten deutschen Maschendrahtzaun gewöhnt ist. Der "silk" wurde einfach mit Drahtstücken an die Äste der Heckenpflanzen gebunden. Wie lange das wohl hält? Die Lücke zwischen den beiden Hecken am Eingangstor wurde mit 2 stattlichen Gummibäumen geschlossen. Damit war für alle Beteiligten das Werk vollendet. Nach drei Tagen fiel mir auf, dass die Blätter der schönen neuen Gummibäume anfingen, sich gelb zu färben. Daraufhin nahm ich sie genauer in Augenschein. Mein Blick fiel auf den Boden und ich entdeckte ein schwarzes Halbrund aus Plastik. Daraufhin holte ich meine kleine Gartenschaufel aus der Garage und grub rund um die beiden neuen Gummibäume das Erdreich einige Zentimeter ab. Mein Verdacht wurde zur Gewissheit: der Gärtner hatte die Pflanzen kurzerhand mit samt den schwarzen Plastiktöpfen in der Erde versenkt! Außerdem fiel mir auf, dass der Rest Maschendraht nicht einmal um die Hälfte des Grundstückes reichte. Da in der nächst größeren Straße immer eine Horde wilder Hunde ihr Unwesen treibt, musste natürlich das gesamte Grundstück mit einem dichten Zaun umgeben werden, um es vor unliebsamen Eindringlingen zu schützen. Außerdem erstreckte sich durch den Garten ein Bogen von Betonsockeln, die Fundamente der Zaunpfähle der alten Hecke. Die Arbeiter hatten sie einfach am Boden abgeknickt.

Am nächsten Tag stellte ich den Gärtner zur Rede. Zunächst zeigte ich ihm die Gummibäume, die mit ihren Pflanztöpfen im Erdreich steckten und ihre gelben Blätter. Khaled machte ein ganz unschuldiges Gesicht. In einem Monat sei alles kulu quajis meinte er nur. Die Bäume müssten sich nur an die neue Umgebung gewöhnen! Ich deutete nochmals auf die Plastiktöpfe und meinte, dass das misch quajis für die Bäume sei vor allem im Sommer. Daraufhin meinte er nur warum ich mich denn so aufrege. Er habe doch extra große Löcher aus den Plastiktöpfen ausgeschnitten und sie erst dann mit samt den Bäumen in die Erde gepflanzt! Das war zu viel für mein deutsches Verständnis von Gartenpflege. Ich erklärte ihm unmissverständlich, dass er die Plastiktöpfe entfernen sollte. Weiterhin sollte er noch, wie vereinbart, Maschendraht besorgen und das restliche Grundstück damit umspannen. Darüber hinaus störten uns die Betonsockel, denn wir wollten eine durchgehende Rasenfläche schaffen. Und schließlich sollte er die 3 Palmen, die in Töpfen auf der Terrasse standen, vier Hibiskuspflanzen, die ich von einer Freundin bekommen hatte, die Cairo verlässt, einen Weihnachtsstern und ein Wandelröschen zur Vergrößerung meines Blumenbeetes pflanzen. Zwei Tage schmollte er daraufhin mit mir. Ich glaube, ihm wäre es lieber gewesen, wenn der Mister die Anweisungen erteilt hätte. Am dritten Tag führte er mich dann zu den beiden Gummibäumen, die jetzt ohne Plastiktöpfe im Erdreich steckten. Ich lobte ihn kräftig. Dann zeigte er mir eines der Zaunfundamente. Er hatte ungefähr einen halben Meter nach unten gegraben, aber der Betonpfeiler reichte noch tiefer in die Erde. Um die ganzen Fundamente zu entfernen hätte noch tiefer gegraben werden müssen. Zum Abtransport hätten wir wieder einen Kleinlaster benötigt. Die entstandenen Löcher hätten mit einer Ladung Erde zugefüllt werden müssen. Also beratschlagten wir und fanden schließlich eine typisch ägyptische Lösung: Ein Arbeiter sollte am nächsten Tag 20 Zentimeter von dem Betonfundament abschlagen, der Rest sollte im Boden bleiben und mit Erdreich bedeckt werden. Darüber hinaus sollte er dann gleich Khaled bei der Pflanzaktion zur Hand gehen. So geschah es dann auch. Innerhalb von zwei Stunden waren alle Fundamente im oberen Bereich abgeschlagen. Dann wurde die Madame geholt, um die Verteilung der Pflanzen im Garten vorzunehmen. Eine Viertelstunde später holte mich Khaled wieder nach außen, um mir die frisch gepflanzten Palmen zu zeigen. Aber ich traute kaum meinen Augen bei deren Anblick. Um sich Arbeit zu ersparen, hatten die beiden Männer nur jeweils eine flache Kuhle ausgehoben und obenauf die Palmen mit ihren Wurzelballen gesetzt. Khaled war gerade dabei einen Erdhaufen um meine Königspalme herum zu schaufeln, um die Wurzel zu bedecken. Meinen empörten Blick quittierte er mit einem Lächeln. So etwas nennt sich hier Gärtner! Beim ersten Wasserstrahl wird die Erde von den Wurzeln gespült und die Pflanze vertrocknet. Das versuchte ich Khaled begreiflich zu machen und bedeutete ihm ein tiefes Loch auszuheben, in das hinein der ganze Wurzelstock versenkt werden konnte. Ein gequälter Blick aus den Augen unseres Gärtners traf mich. Die Madame kannte an diesem Tag mal wieder keine Gnade! Nach einer weiteren Viertelstunde wurde ich erneut von unserem Pflanzteam nach außen gerufen. Khaled zeigte in ein gerade begonnenes Erdloch. Ein dickes schwarzes Kabel lief mitten durch die Vertiefung im Boden. Ich fragte nur ganz vorsichtig "caraba"? Khaled nickte erfreut über meine richtige Eingebung. Da ist es nicht verwunderlich, wenn hier so oft der Strom ausfällt! Die Kabel sind ja nicht mal 10 Zentimeter tief im Boden verlegt. Ein kräftiger Stich mit dem Spaten oder ein Hieb mit der Hacke und die Stromleitung ist gekappt oder zumindest beschädigt, sodass Wasser eindringen und einen Kurzschluss auslösen kann! Also wurde das Stromkabel wieder mir Erdreich bedeckt und das Pflanzloch um 20 Zentimeter nach hinten verlegt. Am frühen Nachmittag war dann die Pflanzaktion abgeschlossen und ich betrachtete zufrieden mein vergrößertes Blumenbeet. Jetzt fehlt nur noch der Rasen. Den soll Khaled aber erst während der Weihnachtsferien ansähen, wenn wir außer Landes sind. Nach einer Ladung Eselsmist wird der Garten erfahrungsgemäß von einer Heerschar von Fliegen bevölkert und der Duft, der beim Öffnen der Fenster hereinströmt, riecht auch nicht gerade nach Veilchen und Vergissmeinnicht! Im Neuen Jahr können wir dann insha'allah auf ein neues Gartenjahr in Cairo anstoßen.

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