Alexandria erzählt seine Geschichten...
von Jutta Zeppelzauer
Mitten im Ramadan nutzten wir vier Frauen eine überraschende Gelegenheit aus dem Alltag auszubrechen, und unternahmen einen Ausflug nach Alexandria. Unser Tag begann frühmorgens, um nur jede Minute ausnutzen zu können; das Frühstück im Auto weckte unsere Lebensgeister. Frauen wird nachgesagt, dass ihnen der Gesprächsstoff nie versiegt und so war das zum Glück auch...
Eine frische, mediterrane Meeresbrise empfing uns und versetzte uns augenblicklich in Urlaubsstimmung. Die Hektik und der Lärm der Großstadt wurden ersetzt durch Gemütlichkeit und Verweilen, möglich, dass wir das nur so empfanden, weil wir genießen woll-ten.
Wer an Alexandria denkt, dem fällt vielleicht als erste Sehenswürdigkeit die neu eröffnete Bibliothek ein, das Römische Theater, die Museen, die Katakomben und und und...
Die Bibliothek übertrifft für meinen Geschmack, was sie verspricht - da bieten sich jede Menge Superlative an, um dieses Monument zu beschreiben... Der ägyptischen "Unkompliziertheit" und Gastlichkeit ist es zu verdanken, dass wir eine Privatführung, trotz ver-schlossener Türen bekamen.
Der Tag ist einfach zu kurz, wir können und wollen nicht alles besichtigen, doch das, was wir schließlich sahen, hinterließ einen bleibenden Eindruck! Die alten Zeiten können viele spannende Geschichten erzählen, wenn man sich nur hinsetzt und sich dafür Zeit nimmt. Nicht nur das Gesehene beeindruckte, vielmehr das Erlebte...
In der Nähe des Bahnhofs befindet sich das Pelizäusheim. Die Adventzeit nahte und wir hatten uns vorgenommen, den vier Deutsch sprechenden Damen, die mit weiteren ca. 50 betagten Menschen an diesem gepflegten und heimeligen Ort ihr letztes Zuhause gefun-den haben, einen Besuch abzustatten. Von den Schwestern wurden wir herzlich empfangen und herumgeführt.
Jede der vier Damen erzählte uns ihre Geschichten, die wir mit großem Interesse "aufsogen". Sehr oft hört man von älteren Menschen, dass "die Jungen" sich doch nicht für die "alten Zeiten" erwärmen könnten. Wir können diese Annahme nicht bestätigen, aber vielleicht gehören wir vier selbst schon zum "alten Eisen"? Nur mit Mühe rissen wir uns los, so gerne hätten wir noch länger zugehört. Ihre "junggebliebenen-alten" Geschichten haben so viel Lebendigkeit, als wären sie gerade erst geschehen. Dieses Leuchten, dieser Funke in den Augen, als die Damen über Dinge des täglichen Lebens berichteten, sprang auf uns über und erfüllte auch uns mit Freude.
Die paar Stunden, die wir in dem Altenheim verbrachten, bedeuteten für uns alle eine Bereicherung vielfältigster Natur. Während der Autofahrt hatten wir noch genug Zeit uns gegenseitig die Anekdoten aus den Lebensgeschichten dieser Frauen zu erzählen, die wir gehört hatten. Stoff, mit dem man Bücher füllen könnte...
Nur zaghaft und unter mehrmaliger Aufforderung äußerten die vier, worüber sie sich freuen würden. Lesestoff, ein Besuch im Kaffeehaus und ein Stück Apfelstrudel, ein Glas Rotwein - und das sagten sie natürlich nicht, wir aber haben es gespürt: Zusätzlich zu den treuen Besuchern, die in regelmäßigen Abständen zu ihnen kommen, würden sie sich über weitere Gäste freuen!
Alexandria, eine Stadt mit alter und junger Kultur, mit vielen jungen und alten Leuten, mit spürbarer Entwicklung und seinen Geschichten, ist eine Reise wert!