Adventsingen mit Leib und Seele
von Jutta Zeppelzauer
Die Vorweihnachtszeit wird als die stille Jahreszeit beschrieben. Besinnlich und in Gedanken versunken, hat man endlich Gelegenheit über das Leben selbst nachzudenken. Doch ist es wirklich still gewesen? In Europa jedenfalls nicht, muss ich doch den Hilferufen meiner Freunde Glauben schenken. Hektisches Treiben, Einkaufswahn, Glühwein geschwängerte Luft bei den diversen Christkindlmärkten und Dauerberieselung aus Lautsprechern, die bis zu den entlegensten Orten schallen, so wird ein Szenario beschrieben, dass für die meisten Menschen unerträglich geworden ist.
Hier in Kairo war auch eine gewisse Betriebsamkeit spürbar, da galt es Basare zu organisieren, Geschenke zu finden und sich selbst für einen möglichen Urlaub in der Heimat vorzubereiten. Rein äußerlich erinnerte jedoch wenig an uns bekannte Merkmale der Ad-ventzeit, das ist auch nicht entscheidend. Von Bedeutung ist vielmehr, was wir in unserem Herzen tragen, die Wurzeln, die uns, beinahe unauflöslich, mit unseren Bräuchen und Traditionen verbinden.
Das Adventsingen ist eine dieser starken Bindungen und wird hier in Kairo seit vielen Jahren im privaten und offiziellen Kreise gepflegt. Über viele Jahre organisierte der ehemalige Handelsdelegierte Österreichs Martin Glatz dieses "Event" in seinen Räumlichkeiten, dabei wurde auch länderübergreifend den englischen "Christmas songs" Platz eingeräumt. Sein beruflicher Nachfolger Rudolf Lukavsky tritt nun auch sangeskräftig in seine Fussstapfen. Der Einladung, auch in diesem Jahr "ein bisschen miteinander zu singen", wurde freudig und zahlreich Folge geleistet. Vielleicht wurde dafür sogar so manch anderer Termin "vertagt"? Für das leibliche Wohl sorgte Beate Lukavsky mit ihrem herrlichen Buffet, für die Seele war nun jeder selbst verantwortlich...
Sepp Gruber packte seine "Quetschn" (Harmonika) aus, Frank Heller stimmte seine Gitarre und schon standen wir in einem Halbkreis beieinander und begannen zu singen. Manchmal "rauschte es im Blätterwald", auf der Suche nach dem passenden Text, meistens wurde "frei" gesungen. Unwahrscheinlich mit welcher Begeisterung da mitgemacht wurde! In Österreich - so sagt man - reiche es schon, wenn vier Menschen zusammenkommen, um einen "Gsangsverein" beisammen zu haben, da kann man gar nicht widersprechen. Ein harter Kern sang noch bis lang nach Mitternacht - die Weihnachtslieder waren ihnen längst ausgegangen...
"Still" ist es hier nur in der Wüste. Wie gesagt, Äußerlichkeiten
sind nebensächlich. Die Erinnerung an diesen besonderen Adventabend, den
wir singend verbracht haben, wird uns als ein sehr besinnliches Ereignis im
Gedächtnis bleiben. Für die Mühe für "Leib und Seele"
gesorgt zu haben, dafür bedanken sich noch einmal alle Sängerinnen
und Sänger bei den Gastgebern!!!