Die Restaurierung der Kirchenfester in der deutschen evangelischen Kirche in Kairo ist abgeschlossen.

Wir haben es geschafft: Am Montag, dem 11. Januar 2016, hat das Team um Dr. Nairy Hampikian letzte Hand an die Restaurierung der Kirchenfenster gelegt. Die gesamte historische Fensterfront, die von der Explosion am 11. Juli 2015 stark beschädigt wurde, ist vollständig wieder hergestellt. Dr. Hampikian hat sich in vielen kleinen und mühsamen Schritten in die Technik dieser bleiverglasten Fenster eingearbeitet und ein kleines Meisterwerk geschaffen. Die komplizierte Arbeit hat sich von Anfang Oktober bis Anfang Januar hingezogen; die ursprüngliche Planung, die Restaurierung vorher abzuschließen, ließ sich nicht halten. So haben wir Advent und Weihnachten in der Kirche mit einem Baugerüst leben müssen, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Durch den fachkundigen Blick der gelernten Kunstglaserin Katja Broschat haben wir die Arbeitsmethoden immer weiter verfeinern und ein entsprechend gutes Resultat erzielen können. Ihr gebührt dafür großer Dank.

Vor allem aber das Restauratorenteam verdient unseren Dank: Sich eine über hundert Jahre alte Technik zu eigen zu machen und fachgerecht nachzuarbeiten mit den Mitteln, die in Ägypten zur Ver- fügung stehen, dazu gehört einiges an Findigkeit und Geschick. Geeignete Gläser wurden gesucht und mit einem passenden Farbauftrag gebrannt, Bleileisten mussten beschafft und bearbeitet werden. Jedes kleine Glaselement wurde mit Zinn und Kupferblech einzeln verlötet und schließlich in das Gesamtgefüge eingebaut. Gebrochene Scheiben wurden mit Glasstücken hinterklebt und verstärkt – und wichtige fehlende Schmuckpartien wurden nachgearbeitet. Der prominenteste Part, der durch die Explosion zerbrochen war, ist der Mund des gekreuzigten Christus. Hier hat Dr. Hampikian einfühlsam ein neu geschaffenes Glasstück eingefügt. Von außen ist schließlich die gesamte Fensterfront mit Sicherheitsglas versehen worden, um die wertvollen Fenster für die Zukunft vor äußeren Einflüssen zu schützen.

 

Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die Unterstützung von Spenderinnen und Spendern. Auf unsere Bitte, uns bei der Finanzierung der Wiederherstellung der Kirchenfenster zu helfen, sind bereits im September 2015 die ersten Spenden eingegangen. Unter den Spendern sind Eltern und Verwandte von Kirchenvorstehern, ehemalige Pastorenkollegen, Gemeindemitglieder, Freunde aus El Karshehs früherer Gemeinde und die Kirchengemeinde in Köln-Kalk, mit der wir uns schon so lange  verbunden fühlen. Bereits am 14. Oktober 2015 hat uns durch die engagierte Fürsprache der Deutschen Botschaft (ein großer Dank an Diana Nowak und an Botschafter Julius Georg Luy) das Auswärtige Amt 10.000 Euro zugesprochen, und am 26. Oktober 2015 kam die Evangelische Kirche in Deutschland  (EKD)  mit 5.000 Euro dazu. Das gesamte Projekt, das wir  auf 20.000 Euro angesetzt hatten, war damit  bereits zu drei Vierteln abgesichert und die Restaurierung konnte im Oktober beginnen.

Seit Sonntag, dem 17. Januar 2016, ist das Projekt offiziell abgeschlossen: Wir haben der Restauratorin Dr. Nairy Hampikian die letzte Zahlungsrate überreicht. Das Ergebnis Ihrer und Eurer Hilfe ist wunderbar: 4.915,14 Euro sind durch Spenden zusammengekommen, 303,76 Euro durch Kollekten in Gottesdiensten. Mit 5.218,90 Euro decken Ihre und Eure Spenden und Gaben im Gottesdienst den gesamten Kostenanteil, den die Gemeinde für die Restaurierung eingeplant hatte. Dafür danken wir Ihnen und Euch von ganzem Herzen! Insgesamt sind wir im Rahmen der veranschlagten Kosten geblieben: Der Kostenvoranschlag von Dr. Hampikian auf 166.200 LE ist noch um 10.000 LE für die Schutzverglasung ergänzt worden und beläuft sich nunmehr auf umgerechnet 20.805,29 Euro. Damit muss die Gemeinde lediglich eine Restsumme von 586 Euro aufwenden – zuzüglich einiger Dankesgaben an das Restaurationsteam und an unsere Helfer und Unterstützer. Das ist angesichts der Aufgabe, vor der wir im Juli standen, schon fast ein kleines Wunder.

Und es sind noch kleinere Kosten mit der „Erstversorgung“ nach der Explosion im Juli zu berücksichtigen. Hier war Thomas Locher, der Geschäftsführer der DEO, schnell und unbürokratisch mit einem Team von der Schule zur Stelle. Es hat lose Fensterelemente mit Hilfe einer großen Leiter aus den Rahmen genommen und gesichert und mit einem Glaser zerbrochene Scheiben im Kellerraum ersetzt. Ein großer Dank auch an Hannes Brüggemann und Max Pampe, die als erste vor Ort waren, als die meisten – auch wir als Pastorenfamilie – bereits auf Heimaturlaub in Deutschland waren.

Einige „Narben“ des Schadens bleiben wohl auch in Zukunft sichtbar, doch wir haben durch gemeinsames Handeln etwas „Zerbrochenes“ wieder zusammenbringen können. Ein Zeichen starker Verbundenheit, das uns mutig und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt.

Anm. der Red.: Dieser Artikel erschien bereits in der “Begegnung”, den Mitteilungen der deutschsprachigen christlichen Gemeinden in Ägypten. Stefan El Karsheh ist Pastor der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Kairo. Die Kirchenfenster, deren Restaurierung gerade abgeschlossen werden konnte, waren bei der Explosion einer Autobombe vor dem italienischen Konsulat am 11. Juli 2015 in Kairo Downtown erheblich beschädigt worden.