Im Wahlfieber -

Teil 1: Die wichtigsten politischen Organe

von Silke Stern

 

Textfeld: Volksversammlung	1. Kammer des Parlaments
(Majles El Shaab)	VerhŠltniswahlrecht
12. Oktober 2011	Anmeldung der Kandidatur
28. November 2011	1. Wahlphase
14. Dezember 2011	2. Wahlphase
10. Januar 2012	3. Wahlphase
	
10. MŠrz 2011	Versammlungseršffnung


Shura- Rat	2.Kammer des Parlaments
(Majles El Shura)	Mehrheitswahlrecht
12. Oktober 2011	Anmeldung der Kandidatur
29. Januar 2012	Wahlen
11. MŠrz 2012	Stichwahlen
	
24.MŠrz 2012	Versammlungseršffnung

Im Februar dieses Jahres fŸhrte der ãArabische FrŸhlingÒ in €gypten zu einer friedlichen VerŠnderung der politischen VerhŠltnisse. Inzwischen ist die Facebook-Revolution in der RealitŠt angekommen und sieht sich daher mit sehr realen Aufgaben konfrontiert. Der Fahrplan in die neue Freiheit wurde mit dem Referendum am 19. MŠrz festgelegt, indem fast 80% der WŠhler fŸr den Ÿberarbeiteten Verfassungstext stimmten. Die VerfassungsŠnderungen, die nur wenige Paragrafen betreffen, waren im Auftrag der MilitŠrfŸhrung von einem unabhŠngigen Juristenkomitee ( Bishri Kommission) ausgearbeitet worden.

 

Die €nderungen betreffen vor allem Verfassungsartikel, die die Exekutiven Institutionen regeln. Davon regeln 5 Artikel die ModalitŠten der PrŠsidentenwahl neu, dessen Wirken u.a. auf zwei vier-jŠhrige Amtszeiten begrenzt wurde. Ein Artikel, die bŸrgerlichen Grundrechte betreffend, wurde ausgesetzt. Wahlprozesse sollen kŸnftig einer richterlichen †berwachung unterliegen. Dem Verfassungsreferendum sollen nun Parlamentswahlen und eine umfassende Verfassungsreform durch diese neue Volksvertretung folgen. Die in drei Schritten verlaufende Wahl wird sich Ÿber Monate hinziehen. Der Urnengang soll wegen der Grš§e des Landes in drei Phasen abgewickelt werden, verkŸndete der Vorsitzende der Wahlkommission, Abdel Moaz Ibrahim. Teilnehmen kšnnen Parteien mit Ÿber 5000 Mitgliedern. Die Wahlen fŸr die zweite Kammer des Parlaments, den sogenannten Shura- Rat, sollen im Anschluss daran stattfinden. Ein Termin fŸr PrŠsidentschaftswahlen wurde nicht genannt.

 

GemЧ der vom MilitŠrrat erlassenen VerfassungsgrundsŠtze sollen sie nach Abschluss der Parlamentswahlen stattfinden. Als denkbare Termine werden derzeit Ende 2012 oder sogar 2013 gehandelt. Unterdessen gab der MilitŠrrat, am 26. September 2011 die einzelnen Wahltermine fŸr die Parlamentswahlen (Tabelle 1) offiziell bekannt. Der Wahlmarathon kann also beginnen. Papyrus stellt die zur Wahl stehenden politischen Institutionen (Abbildung 1) sowie ihre Kompetenzen und Aufgabenfelder vor.

 

Legislative:

 

Das Šgyptische Parlament besteht aus der Volks-(National-)versammlung, sowie einer beratenden Versammlung (Shura-Rat).

 

Majles El Shaab ( Volksversammlung )

 

Die Volksversammlung ist gemЧ Artikel 86 der Verfassung die gesetzgebende Kšrperschaft. Ihre Mitglieder werden gemЧ Artikel 92 fŸr fŸnf Jahre gewŠhlt. FŸr die Wahlen zur Volksversammlung ist das derzeitige Wahlgesetz aus dem Jahr 1987 ma§geblich. Stimmberechtigt sind alle €gypter ab 18 Jahren, das passive Wahlrecht hingegen wird erst nach Vollendung des 30. Lebensjahres erworben. Angehšrige von Polizei und MilitŠr sind nicht wahlberechtigt.

 

In der Verfassung wurde die Zahl der Abgeordneten auf 454 Mitglieder festgelegt, 444 Abgeordnete werden direkt vom Volk gewŠhlt, au§erdem kšnnen vom PrŠsidenten noch (hšchstens) 10 Abgeordnete ernannt werden. 1990 legte man 222 Wahlkreise fest, die jeweils zwei Abgeordnete in die Volksversammlung entsenden. Die Volksvertreter gelten mit der absoluten Mehrheit aller abgegeben Stimmen als gewŠhlt. Da mindestens die HŠlfte aller Abgeordneten der Volksvertretung Arbeiter oder Bauern sein mŸssen, findet Artikel 87 der Verfassung bereits auf Wahlkreisebene Anwendung, was konkret bedeutet, dass gegebenenfalls der Kandidat mit den zweit meisten Stimmen zugunsten eines Arbeiters oder Bauern zurŸcktreten muss. Am 21. Juli 2011 wurde dieses Wahlgesetz vom MilitŠrrat geŠndert, demnach sollen nun 504 Abgeordnete zur HŠlfte durch VerhŠltniswahl und der Rest Ÿber Wahlkreise, also durch Mehrheitswahl ermittelt werden. Die Kompetenzen der Volksversammlung sind in Kapitel 5 der Verfassung festgelegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GemЧ Artikel 86 Ÿbernimmt sie folgende Aufgaben:

 

á      Gesetzgebung

á      PrŸfung und Billigung von VertrŠgen und Abkommen

á      PrŸfung und Billigung des Staatshaushaltes

á      Beaufsichtigung der Exekutive, diskutiert die RegierungserklŠrung

á      PrŸfung und Billigung von €nderungsantrŠgen und Zusatzartikel zur Verfassung

á      Billigung zur KriegserklŠrung und zur Ausrufung des Notstandes.

 

Die Aufgaben der Volksversammlung werden auf 18 FachausschŸsse aufgeteilt.

 

Majles El Shur ( Shur-Rat/Oberhaus)

 

Zum Šgyptischen Parlament gehšrt noch eine zweite Kammer. Der Shura-Rat ( Majles El Shura) oder das Oberhaus. Es ist mit dem Britischen Oberhaus vergleichbar. Sein Name bedeutet Ÿbersetzt etwa ãBeratende VersammlungÒ Diese wurde 1980 durch eine VerfassungsŠnderung geschaffen. Die Versammlung hat 264 Mitglieder von denen Zweidrittel – 174 Mitglieder - direkt und geheim gewŠhlt werden. Die HŠlfte davon mŸssen Bauern oder Arbeiter sein. Ein Drittel der Versammlungsmitglieder - 88 Mitglieder - wird vom PrŠsident fŸr einen Turnus von sechs Jahren ernannt. Die Zusammensetzung der Mitglieder der Versammlung wechselt, da die HŠlfte der Versammlungsmitglieder alle drei Jahre erneuert wird. Die gesetzgebende Macht der Versammlung ist beschrŠnkt. Bei den meisten Gesetzesinitiativen hat die Volkversammlung das letzte Wort. Die Versammlung darf nur durch einen Erlass des PrŠsidenten aufgelšst werden. Au§erdem genie§en alle seine Mitglieder parlamentarische ImmunitŠt. Die Versammlung hat den Verfassungsauftrag die Erhaltung der Grundrechte der Verfassung zu schŸtzen und kann dahingehend legislativ tŠtig werden, was durch die Artikel 194 und 195 der Verfassung garantiert ist. Bei diesen Initiativen ist eine Ratifizierung durch das Oberhaus vorgeschrieben.

 

á      ErgŠnzungen und Neufassungen von Verfassungsartikeln

á      GesetzesŠnderungen (konstitutionell)

á      VertrŠge und Vereinbarungen, €gyptens territoriale SouverŠnitŠt betreffend

á      beratende Funktion:

o   bei VertragsentwŸrfen zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung

o   Gesetzen, die der PrŠsident zur Verhandlung in die Kammer einbringt

o   Angelegenheiten zur allgemeinen Politik des Landes

o   auswŠrtigen Angelegenheiten

 

Um fŸr das Oberhaus kandidieren zu kšnnen, muss man verschiedene Vorrausetzungen erfŸllen:

 

á      €gyptische StaatsbŸrgerschaft

á      Mindestalter bei Kandidatennominierung 35 Jahre

á      abgeschlossener MilitŠrdienst oder Befreiung davon

   

GewŠhlt ist, wer die absolute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen des Wahlkreises auf sich vereinigt.

 

Exekutive:

 

€gypten hat ein prŠsidiales Regierungssystem. Der PrŠsident wird seit 2005 nicht mehr wie bisher auf Vorschlag des Šgyptischen Parlaments per Referendum bestŠtigt, sondern im Rahmen einer Direktwahl, zu der mehrere Kandidaten zugelassen sind, direkt vom Volk gewŠhlt. Der MinisterprŠsident sowie alle Kabinettsmitglieder werden vom Staatsoberhaupt ernannt und entlassen.

 

Seit dem Abgang Mubaraks fŸllt  der Oberste Rat der StreitkrŠfte (Supreme Council of the Armed Forces, SCAF), kurz MillitŠrrat, die Position des PrŠsidenten aus und Ÿbernahm unter FŸhrung von Mohammed Hussein Tantawi in Zusammenwirken mit dem Verfassungsgericht die Macht. Damit konstituierten sie sich Ÿber den Ministern. Das Gremium des MilitŠrrats besteht aus 18 hochrangigen Offizieren.

 

Judikative:

 

Das Rechtssystem €gyptens basiert sowohl auf Elementen der islamischen Scharia als auch des englischen und franzšsischen Rechts. Hšchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof mit Sitz in Kairo. †ber Verfassungsstreitfragen entscheidet ein Verfassungsgericht. Auf Gouvernement- und Kommunal-ebene Ÿbernehmen Zentral- und Distriktgerichte die Rechtsprechung. Berufungs- und Widerspruchsverfahren gibt es sechs Appellationsgerichtshšfe.

 

 

 

 

Quellen:

Die Presse, 27.08.2011

www.sueddeutsche.de/politik/wahl-in-aegypten-elbaradei-will-doch-praesident-werden

www.monstersandcritics.com/news/middleeast/news/article_1629149.php/Egypt-to-hold-parliamentary-elections-in-September, www.euronews.net/2011/03/28/aegypten-parlamentswahlen-im-september

INAMO (Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten e.V.), Heft Nr. 65/FrŸhjahr 2011

www. Euronews.net/Egypt to hold parliamentary vote in november.

www. newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1207462

Neue ZŸrcher Zeitung 21. Juli, €gyptens MilitŠrrat erlŠsst neues Wahlgesetz.

The Egyptian Gazette; Issue No. 42, 639, 28. Sep. 2011

DAIHK – GTAI Newsletter 10/2011

FŸr die Angaben der Wahltermine und €nderungen im Wahlverfahren gilt der Stand unseres Redaktionsschlusses am 5.Oktober 2011.

Wir danken Frau BŸttner von der Deutschen Botschaft in Kairo fŸr die von Ihr zur VerfŸgung gestellten Fotos

 

 

 

 

 

 

 Im Wahlfieber – Teil 2: Parteien, Politaktivisten und Protestbewegungen

von Silke Stern

 

 Mit seiner Vorstellung eines Zeitplans fŸr die anstehenden Parlaments- und PrŠsidentschaftswahlen hat der MillitŠrrat konkrete Schritte zur †bergabe seiner Macht an eine zivile Regierung eingeleitet. Noch ist der †bergang zu einer demokratischen Regierung durch die vagen Angaben zu den genauen PrŠsidentschaftswahlterminen Zukunftsmusik. Dennoch bekrŠftig der MilitŠrrat weiterhin fŸr die Etablierung ziviler Institutionen und Prozesse zu stehen und damit auch seine Kontrolle Ÿber alltŠgliche politische Entscheidungsprozesse abzugeben. Unter demokratischen Vorzeichen sieht dies die Etablierung eines funktionierenden, auf einer ausgearbeiteten Verfassung basierendes Parteiensystems vor, das eine reprŠsentative Beteiligung der Bevšlkerung garantiert. Allerdings sind einige Besonderheiten €gyptens fŸr die heutige Gestaltung seiner politischen Landschaft zu berŸcksichtigen.

 

So ergab sich historisch bedingt schon sehr frŸh eine starke Zentralisierung der Machtstrukturen. An die Stelle der Priester und Schreiber von einst sind heute BŸrokraten getreten. Der PrŠsident fand seine historische Vertretung im Pharao, Sultan und Kšnig. So oder so lie§ das System wenig Raum fŸr Mitgestaltungsmšglichkeiten des Volkes an Regierung und Verwaltung. Dennoch zeichnete sich die politische Landschaft €gyptens immer durch ihre Vielfalt aus. Auch die Revolution im Februar 2011 ist ein Spiegelbild die Vielfalt dieser politischen Gruppen und Bewegungen betreffend. Haben sich doch mehrere Interessenvertretungen herausgebildet. Die etablierten Oppositionsparteien versuchen sich neu aufzustellen, und es gibt mehrere Initiativen zur GrŸndung neuer Parteien durch Intellektuelle und Online-Aktivisten. Die Protestbewegung ist allerdings hochgradig fragmentiert, was sich in den unterschiedlichen politischen Forderungen und Initiativen Šu§ert. Als bei weitem kritischer ist aber deren geringer Organisationsgrad anzusehen. Dies macht die Institutionalisierung der Protestbewegung Šu§erst schwierig, was aber zwingend notwendig ist, wenn man den Reformprozess mitgestalten will.

 

Bei der Neuzulassung von Parteien gilt das Gesetz Nr. 40 von 1977, das 1978 ergŠnzt wurde. Demnach muss jede Partei das islamische Recht (die Scharia) als ãHauptquelle der GesetzgebungÒ anerkennen und sich zur Einhaltung der ãnationalen EinheitÒ und des ãsozialen FriedensÒ verpflichten. Ebenso mŸssen das ãsozialistische demokratische SystemÒ und die ãsozialistischen ErrungenschaftenÒ anerkannt werden. Die Partei darf in ihrem Programm keinen ausschlie§lichen Bezug auf eine bestimmte Religion, Rasse, Sprache, Berufsstand oder Geschlecht nehmen. Somit sind islamistische Parteien oder Parteien von Minderheiten, wie z. B. der christlichen Kopten, nicht zulŠssig.

 

Parteien in €gypten dŸrfen keine Ableger auslŠndischer Parteien sein, was auch fŸr Parteien in den anderen arabischen LŠndern gilt. Die Parteien dŸrfen nicht vom Ausland finanziert werden. Die Programme von neugegrŸndeten Parteien sollen sich klar von denen bereits bestehender Parteien und deren Ideologien absetzen. FŸr eine NeugrŸndung sind 50 GrŸndungsmitglieder erforderlich; hiervon mŸssen aber 20 der Volksversammlung angehšren und 25 Mitglieder von Beruf Arbeiter oder Bauern sein. †ber die Zulassung bzw. Nichtzulassung einer Partei entscheidet ein nahezu ungebundenes Parteienkomitee, das aus drei Ministern, drei vom StaatsprŠsidenten ernannten Richtern sowie dem ParlamentsprŠsidenten besteht. Dies fŸhrte - unter anderem auch wŠhrend der Mubarak-Jahre - dazu, dass die marginal vorhandenen Oppositionsparteien, bei politischen Entscheidungsprozessen kaum mitgestalten konnten. Einen †berblick Ÿber die Parteienlandschaft, die politischen Gruppen und Aktivisten geben die folgenden Seiten.

 

 

 

 

 Entwicklung des Šgyptischen Parteiensystems

 

Eine Mehrparteienlandschaft existiert in €gypten erst seit Mitte der 1970er Jahre. Nasser hatte im Rahmen der Revolution von 1952 sŠmtliche bis dahin existierenden Parteien verboten. Er etablierte die Freiheitliche Sammlungspartei als Einheitspartei, aus der sich die Arabische Sozialistische Union (ASU) entwickelte. Erst Nassers Nachfolger Sadat entschloss sich im Rahmen seiner …ffnungspolitik 1975 ein Mehrparteiensystem einzufŸhren. Bis 1976 haben sich aus der ASU heraus dann drei ma§gebliche politische Organisationen entwickelt, die Sadat per PrŠsidialdekret zu Parteien erklŠrte:

 

1. €gyptische Arabische Sozialistische Partei (€ASP) oder Misr Partei,

2. Sozialistische Partei der Liberalen (SPL) Al-Ahrar

3. National-progressive unionistische Sammlungspartei (NPS), kurz Al-Tagammu

 

Mitte 1978 grŸndete Sadat wiederum per PrŠsidialdekret die National Demokratische Partei (NDP), welche fortan unter dem Vorsitz des PrŠsidenten die Vormachtstellung unter den politischen Parteien in €gypten einnehmen sollte und noch im selben Jahr die Sozialistische Partei der Arbeit (SPA), Hisb Al-Amal, die als loyale Opposition fungierte. Erst 1977 konnte sich als einzige nicht vom PrŠsidenten eingesetzte Partei, die Neo-Wafd Partei etablieren. Deren VorgŠngerpartei formierte sich aus Widerstand gegen die britische Besatzung. †bersetzt bedeutet ãWafdÒ Delegation, diese vertrat die Forderung des Landes nach UnabhŠngigkeit bei den Friedensverhandlungen von Versailles. Sie war bis 1952 die stŠrkste politische Kraft. 1980 wurde das Mehrparteiensystem endgŸltig als Verfassungsprinzip in Art. 5 der Šgyptischen Verfassung verankert. Die NeugrŸndung von Parteien blieb aber nach wie vor an strenge Auflagen gebunden. Deshalb konnten sich bis heute nur wenige politische Parteien in €gypten etablieren. 1983 wurde lediglich eine zusŠtzliche Partei gegrŸndet, die Umma-Partei (1983). WŠhrend der 90er Jahre hingegen konnte die Šgyptische Parteienlandschaft durch sieben weitere Parteien bereichert werden:

 

Die NeugrŸndung von Parteien blieb aber nach wie vor an strenge Auflagen gebunden. Deshalb konnten sich bis heute nur wenige politische Parteien in €gypten etablieren. 1983 wurde lediglich eine zusŠtzliche Partei gegrŸndet, die Umma-Partei (1983).WŠhrend der 90er Jahre hingegen konnte die Šgyptische Parteienlandschaft durch sieben weitere Parteien bereichert werden:

 

1.     GrŸne Partei (1991)

2.     Nasseristische Partei (1992),

3.     Partei Junges €gypten (Re-Legalisierung 1992),

4.     €gyptische Arabische Sozialistischen Partei (die im eigentlichen Sinne bereits im 1976 gegrŸndete Partei fusionierte - zumindest teilweise - zwei Jahre nach ihrer Entstehung mit der NDP und verselbststŠndigte sich nach einem Gerichtsverfahren erneut im Jahre 1992),

5.     Partei der Sozialen Gerechtigkeit (1993),

6.     Demokratische Unionspartei (1993)

7.     Partei der SolidaritŠt (1995).

 

Seit 2000 erlangten weitere sechs Parteien ihre Zulassung:

 

1.     Partei €gypten 2000 (2000),

2.     Partei der demokratischen Generation (2000),

3.     Partei der Nationalen Eintracht (2000),

4.     Al-Ghad Partei (2004),

5.      Verfassungspartei (2004)

6.     .Partei des Sozialen Frieden (2004, mittlerweile jedoch eingefroren).

 

Au§erdem hoffen 2 weitere politische Gruppierungen nach gestelltem Zulassungsantrag auf ihren offiziellen Parteienstatus; zum einen die von der NDP abgespalten .Karama Partei und zum anderen die sich aus der Muslimbruderschaft herausgebildete Wasat Partei. Diese bisher zugelassenen Parteien besa§en bisher einen eher untergeordneten Stellenwert.

Ein †berblick Ÿber die seither bestehenden Parteien und ihre politische Orientierung sowie ihren gegenwŠrtigen Status findet sich in Tabelle 1. Die Unklarheiten Ÿber das bestehende Zulassungsverfahren und die damit verbundene Statusfrage sind einer der HauptgrŸnde warum viele aus den Februardemonstrationen heraus entstandene Bewegungen, die festgelegten Wahltermine fŸr zu frŸh erachten. BefŸrchten sie doch von politischen Entscheidungsprozessen erneut ausgeschlossen zu werden. Dabei waren es gerade sie, die dem politischen Willensbildungsprozess innerhalb der Bevšlkerung zahlreiche Impulse gaben.

 

 

Tabelle 1: Die bekanntesten Parteien in €gypten ( Stand Anfang Oktober 2011)

 

Partei-Namen

 

 

 

Politische Orientierung

Religišse Orientierung

Rechtlicher Status

GegrŸndet

€gyptische arabische Union

Mitte

Nein

registriert

2011

Gerechtigkeitspartei

Zentrist

Nein

eingetragen

Mai 2011

Demokratisch Arabische Nasseristen Partei

Links

Nein

eingetragen

19.April 1992

Partei der Mitte

Zentrist

Ja

Offiziell anerkannt seit 20011

1996

Konservative Partei

Rechts konservativ

Ja

eingetragen

12. MŠrz 2002

Demokratische Front Partei

Liberal demokratisch

Nein

eingetragen

24. Mai 2007

Demokratische Generationen Partei

Liberal

Nein

eingetragen

2. Sep. 2002

Demokratische Friedens Partei

Liberal

Nein

eingetragen

7. Feb. 2005

Demokratische Unionspartei

Liberal

Nein

eingetragen

14. April 1990

WŸrde Partei

Links

Ja

Lizenzierung erwartend

unbekannt

€gypten 2000 Partei

Links

Nein

eingetragen

4. Juli 2001

€gyptisch Arabische Union

Mitte

Nein

registriert

2011

€gyptische Sozialdemokratische Partei

Links liberal

Nein

eingetragen

2011

€gyptisch Kommunistische Partei

Links

Nein

eingetragen

1975

Jugend Partei €gyptens

Liberal

Nein

eingetragen

7. Feb. 2005

€gyptisch Arabische Sozialistische Partei

Links liberal

Ja

eingetragen

7. Juli 1977

 

 

 

 

 

Liberale Partei €gyptens

Liberal, demokratisch

Nein

eingetragen

2011


Tabelle 1: Die bekanntesten Parteien in €gypten ( Stand Anfang Oktober 2011)

 

Partei-Namen

Politische Orientierung

Religišse Orientierung

Rechtlicher Status

GegrŸndet

Al Nour Partei

Rechts

Ja ( Salafi Islam)

eingetragen

2011

Freie Republikanische Partei

Liberal

Ja

eingetragen

7. April 2006

Soziale Verfassungspartei

Liberal

Nein

eingetragen

24.Nov. 2004

Partei Freiheit und Gerechtigkeit

Islamische Demokratie

Ja ( sunnitischer Islam)

eingetragen

21. Feb. 2011

Freiheits Partei €gyptens

Liberal

Nein

eingetragen

18. Mai 2011

GrŸne Partei €gyptens

Liberal

Nein

eingetragen

14. April 1990

Liberale €gyptische Partei

Liberal

Nein

Lizenzierung erwartend

unbekannt

Liberale Partei

Liberal

Ja

eingetragen

7. Juli 1977

Vermittlungsausschuss Partei

Liberal

Nein

eingetragen

3. Feb. 2002

National Progressive Unionspartei

Links

Nein

eingetragen

7. Juli 1977

Die Nation Partei (€gypten)

Links

Ja

eingetragen

26. Mai 1983

Neo Wafd Partei

Liberal

Nein

eingetragen

2. April 1978

Partei der Befreiung

Rechts

Ja

verboten

1953/1974

Demokratische Volkspartei

Liberal

Nein

Unklar

15. MŠrz 1992

Sozialistische Allianz

Links liberal

Nein

eingetragen

2011

Reform und Entwicklungspartei

Liberal

Nein

eingetragen

2011

Partei fŸr soziale Gerechtigkeit

Links

Ja

eingetragen

6. Juni 1993

Sozialistische Arbeiter Partei

Links

Ja

suspendiert

12. Nov. 1978

Sozialistische Partei €gyptens

Links

Nein

eingetragen

2011

SolidaritŠt

Rechts

Ja

eingetragen

2. Mai 1995

Ghad Partei ( Morgen)

Liberal

Nein

eingetragen

27. Okt. 2004

Demokratische Arbeiter Partei

Links liberal

Nein

Lizenzierung erwartend

2011

Partei Jungend €gyptens

Links

Ja

eingetragen

14. April 1990

 

 

Gleichzeitig ist die Institutionalisierung der Protestbewegung notwendig, um den Reformprozess mitzugestalten. Es haben sich mehrere Interessenvertretungen herausgebildet. Die etablierten, bisher marginalen, Oppositionsparteien versuchen sich neu aufzustellen, und es gibt mehrere Initiativen zur GrŸndung neuer Parteien durch Intellektuelle und Online-Aktivisten. Die Protestbewegung ist allerdings hochgradig fragmentiert, was sich in den unterschiedlichen politischen Forderungen und Initiativen Šu§ert. Als bei weitem kritischer ist aber der geringe Organisationsgrad anzusehen. Dies macht die Institutionalisierung der Protestbewegung Šu§erst schwierig.


Tabelle 2: Die bekanntesten politischen Allianzen in €gypten ( Stand 5. Oktober 2011)

 

Name der Allianz

Politische Orientierung

Religišse Orientierung

Rechtlicher Status

GegrŸndet

Nationaldemokratische Allianz fŸr €gypten

Rechts

Ja

Unbekannt

Juni 2011

Koalition der sozialistischen KrŠfte

Links liberal

Nein

Nicht registriert

10. Mai 2011

€gyptischer Block

Liberal Demokratisch

Nein

Unbekannt

16. August 2011

 

Tabelle 3: Die bekanntesten politischen Gruppen in €gypten  ( Stand 5. Oktober 2011)

 

Name der Gruppe

Politische Orientierung

Religišse Orientierung

Rechtlicher Status

GegrŸndet

6. April Youth Movement

Links liberal

Unbekannt

Nicht registriert

2008

Kefaya (Genug)

Links liberal

Unbekannt

Nicht registriert

2004

Human Movement for Reform and Change Party

Unbekannt

Unbekannt

Lizenzierung erwartend

Unbekannt

Gesellschaft der MuslimbrŸder

Rechts

Ja

Nicht registriert

1928

Koalition der Jugend der Revolution

Links liberal

Unbekannt

Nicht registriert

Unbekannt

National Association for Change

Unbekannt

Unbekannt

Nicht registriert

Unbekannt

RevolutionŠre Sozialisten

Links

Nein

Nicht registriert

1995

 

Quellen:

 

Carnegieendownment.org/ Guide to Egypt«s Transitition

Carnegieendownment.org/ Political Parties in Egypt

Carnegieendownment.org/ The emerging political parties in Egypt

H. Albrecht, Die Instutionalisierung der Revolution: Regimewandel in €gypten, AG Friedensforschung 2011

Parteienprofil €gypten, Veršffentlichung der Konrad Adenauer Stiftung 2011

Wikipedia, Politische Parteien in €gypten

www.sarsura-syrien.de/aegypten-vorbereitungen-wahlen-laufen-html

Enigma, The Interational Arab Magazine, September 2011: Egypt«s New Political Players

Bread and Roses, The Struggle of the Egyptian Labour Movement,Community Times, September 2011

INAMO (Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten e.V.), Heft Nr. 65/FrŸhjahr 2011, 17. Jahrg

AHK €gypten – GTAI Newsletter Oktober 2011

www.deutsche-orient-stiftung.de ¥

Die €gyptische Parteienlandschaft, Papyrus Heft 3, 1984

www.sueddeutsche.de/politik/wahl-in-aegyptenwww.newsticker.sueddeutsche.de

 

FŸr die Angaben der Zulassungsverfahren und der zugelassenen Parteien gilt Stand unseres Redaktionsschlusses am 5.Oktober 2011.

zurŸck